Energieberatung – Der andere Blick auf (m)ein Haus

Ein Haus tauscht Wärmeenergie mit seiner Umgebung über die thermischen Eigenschaften seiner Hülle aus. Das ist ungewohnt formuliert aber leicht verständlich. Deutlich weniger bewusst ist aber, dass die Belüftung eines Gebäudes auch eine beträchtliche Menge Energie transportiert. Beides zusammen muss durch haustechnische Wärmequellen zur Verfügung gestellt werden um eine behagliche Wohntemperatur zu gewährleisten.

Diese drei Aspekte (Hülle, Lüftung, Haustechnik) untersuche ich, wenn ich als Energieberater den Zustand eines Gebäudes bewerten soll. Die erste wichtige Frage ist: Wo verläuft die Hülle, also die Grenze zwischen dem beheizten Wohnbereich und dem Unbeheizten bzw. Außenbereich? Die Pläne und Baubeschreibungen des Architekten zeigen oft ein anderes Konzept als die Nutzung durch den aktuellen Besitzer. Unbeheizte Nebenräume wurden dann zwischenzeitlich durch den Einbau eines Heizkörpers zu Wohnzwecken umgestaltet. Wände, Decken oder Böden bilden jetzt die Gebäudeaußenhülle, obwohl deren Materialwahl dafür nicht gedacht war. Beispielsweise bieten Betonwände im Kellerbereich guten statischen- und Nässeschutz, aber für Wohnzwecke ist der Wärmeschutz katrastrophal. Den Aufwand, diese Wände von außen freizulegen und zu dämmen, möchte niemand investieren. Ähnliches gilt für Kellerfußböden, die sowieso nur von innen – auf Kosten der Raumhöhe – energetisch angepasst werden können.

Noch herausfordernder ist die Gebäudebelüftung. Früher waren so viele Bauteile undicht, dass ein Lüftungskonzept nicht notwendig war. Aber ein zukunftsfähiges Wohngebäude sollte eine geprüfte Luftdichtheit aufweisen, damit es auf kontrolliertem Weg komfortabel belüftet werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt gibt es viel zu hinterfragen. Hat das Dach eine luftdichte Ebene, z.B. eine Dampfbremsfolie, die sorgfältig an den Innenputz der Wände angeschlossen ist? Werden Heizkessel oder Kaminöfen über Raumluft mit Sauerstoff versorgt oder über direkte Außenluftkanäle? Stellen Rollladenkästen schiere Wandöffnungen dar? Sind Fenster und Türen – auch zum unbeheizten Bereich – luftdicht eingebaut und schließen auch so? Wie kann man in diesem Haus kontrollierte Belüftung einfach realisieren?

Neben der Gebäudesubstanz muss auch die Haustechnik erfasst werden, und das Potential für den langfristigen Einsatz von erneuerbaren Energiequellen analysiert werden.

Schritt für Schritt setze ich die einzelnen Puzzlestücke aus Schwachstellen, Sanierungsoptionen und Abhängigkeiten zu einem einheitlichen Bild zusammen. Wenn alles richtig aufeinander abgestimmt wird, ist es fast immer möglich in sinnvollen Schritten innerhalb der nächsten Jahrzehnte ein „KfW-Effizienzhaus“ entstehen zu lassen.

Ich empfehle jeden Eigenheimbesitzer sich auf dieses Neuland einzulassen und den Weg in die Zukuftsfähigkeit seines Hauses aktiv zu gestalten. So kann zum Beispiel ein Haus von 1971, das heute einen Energiebedarf von 180 kWh/m² pro Jahr benötigt, in vier Schritten zu einem „KfW-100-Effizienzhaus“ mit 60 kWh/m² pro Jahr saniert werden!

Sanierungsfahrplan

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